Das Zölibat
Für die meisten Menschen gehört es zu ihrem Lebenstraum, einmal, wenn Schule und Berufsausbildung erfolgreich absolviert sind, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Bereits in den Jugendjahren malt man sich aus, wie schön das einmal werden wird, wie viele Kinder man haben möchte, wie diese heißen sollten, und was man alles für Pläne um das Familienleben herum hat. Ein eigenes Häuschen, Urlaube, ein tolles Auto und ein einigermaßen akzeptabler Wohlstand gehören meist zu diesen Träumen. Bereits in der Jugend binden sich diese Menschen, um den richtigen Partner einmal zu finden. Zwar wird die erste große Liebe nur in den seltensten Fällen diejenige sein, mit der man auch vor dem Traualtar steht, doch geht man im Sturm dieser großen Gefühle oft davon aus.
Nun gibt es auch Menschen, die sich für ein eheloses Leben im Sinne der Kirche entscheiden. Wer sich entschlossen hat, Theologie zu studieren, um Priester zu werden, muss auf eine eigene Familie verzichten. Auch eigener Besitz ist den Pfarrern in großen Teilen versagt. Vielmehr müssen die jungen Männer sich schon früh auf ihr Leben im Namen Gottes einstellen, und sich darüber im Klaren sein, dass es für sie eigene Kinder niemals geben wird. Auch regelmäßiges Fasten und In-sich-gehen gehört dazu.
Ein katholischer Pfarrer darf im Religionsunterricht in der Kirche arbeiten, darf sich in vielen Bereichen aktiv beteiligen. Es spricht auch nichts dagegen, wenn er sich in Sportvereinen betätigt, im Kindergarten erscheint und überall sein kirchliches Wirken sehr ernst nimmt. Ansonsten ist ihm wenig privater Freiraum gewährt. Über den Sinn des Zölibats wurde schon oft und viel diskutiert, und nicht wenige Menschen sind der Ansicht, dass ein Pfarrer ruhig heiraten dürfen sollte, weil er dann Einblicke in die wichtigen Bereiche der Menschen bekommt. Auch evangelische Pastoren dürfen ja heiraten, ohne dass man davon ausgeht, dass sie ihr Amt dann nicht mehr richtig ausüben könnten.
Auch eine Frau, die ins Kloster geht, darf zwar vorher eine Beziehung gehabt haben, muss aber auf alle weltlichen Genüsse verzichten, wenn sie ins Kloster geht, um Nonne zu werden. Nicht selten geschieht dies nach einer sehr bitteren Enttäuschung. Ebenso passiert es, dass sich ein Pfarrer oder eine Nonne ganz normal verlieben und ihre Entscheidung für ein ganz der Kirche gewidmetes Leben bereuen und sogar widerrufen. Große Gewissenskonflikte gehen einer solchen Entscheidung voraus. Diese Menschen entsagen nur ihrem Gelübde, nicht aber ihrem Glauben an Gott; trotzdem dürfen sie nicht in ihrem Amt verbleiben, sondern müssen sich einen anderen Beruf suchen.
